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Was ist ein Bandscheibenvorfall aus medizinischer Betrachtung?
Ein Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) tritt meistens an der
Lendenwirbelsäule im Alter zwischen 30 und 50 Jahren auf. In
der Halswirbelsäule kommt ein Bandscheibenvorfall seltener und
eher im Alter zwischen 40 und 60 Jahren vor. Die Brustwirbelsäule
ist am seltensten betroffen (0,1 bis drei Prozent aller Vorfälle).
Immer verrutscht dabei der weiche Gallertkern der Bandscheibe,
der wie ein Puffer zwischen den Wirbelkörpern liegt und von
einem Ring aus Faserknorpel gehalten wird. Die austretende Gallertmasse
drückt in den meisten Fällen auch gegen Nerven. Im Gegensatz
dazu ist die Bandscheibenvorwölbung (Diskusprotrusion) zu sehen.
Dies ist eine Verlagerung von Bandscheibengewebe nach außen,
ohne dass der Bindegewebsring der Bandscheibe zerrissen ist.
Je nach Art und Ausmaß des Vorfalls treten unterschiedliche
Symptome auf: manche Vorfälle bleiben unbemerkt, andere sind
mit starken Schmerzen verbunden, in einigen Fällen treten Lähmungen
auf. Ursachen sind vor allem Übergewicht, angeborene Bindegewebsschwächen,
oft zusammen mit falschem Heben von schweren Gegenständen. Aber
auch in der Schwangerschaft besteht die Gefahr einer relativen
Überlastung der Bandscheiben mit Vorfall. Oft kann die Krankheit
ohne Operation behandelt werden, wichtig sind Bettruhe, Entlastung
und Entspannung der Wirbelsäule. Häufig folgen Physio- oder
Chirotherapie. Mit vorbeugenden Maßnahmen kann man das Risiko
eines Bandscheibenvorfalls verringern.
Etwa 60 bis 80% aller Erkrankungen sind psychosomatisch,
also psychisch bedingt oder zumindest mitbedingt. In fast allen
Fällen seelischer oder körperlich-seelischer Auffälligkeiten
lassen sich Zusammenhänge finden, wenn mehr als nur die eindimensionale
Krankengeschichte des Symptomträgers betrachtet wird.
Ein Symptom spielt sich nicht in einem quasi luftleeren Raum
ab. Das Schicksal des Symptoms hängt bei seiner Entstehung sowie
im weiteren Verlauf davon ab, welche Bedingungen es erst ermöglicht
haben, welche Bedeutung ihm zugemessen wird, welchen Aufforderungscharakter
es besitzt und welche Fragen für die Lebenssituation es nach
sich zieht. Man kann hier von einer soziopsychosomatischen Betrachtungsweise
sprechen.
Bandscheibenvorfall aus psychosozialer Betrachtung:1987
wurden im Rahmen einer Dissertation zum Thema "Psychosoziale
Aspekte beim lumbalen Bandscheibenvorfall" in der Orthopädischen
Klinik Wiesbaden 100 Patienten mit einem diagnostisch gesicherten
Bandscheibenvorfall untersucht. Dazu wurde ein Interview- und
Untersuchungsbogen zur Erfassung soziodemographischer, orthopädisch-neurologischer
und psychosozialer Faktoren verwendet. Bei den Untersuchten
überwogen mit 70% die männlichen Patienten. Das Durchschnittsalter
betrug 46 Jahre. Eine familiär erbliche Häufung oder Disposition
konnte weder für Bandscheiben- noch für andere Wirbelsäulenerkrankungen
bestätigt oder gefunden werden. Nur 4% entstammten Familien,
in denen Bandscheibenvorfälle aufgetreten waren. Eine größere
Gefährdung von Schwerarbeitern oder eine Häufung von Patienten,
die einer starken beruflichen Belastung der Wirbelsäule ausgesetzt
waren, konnte nicht nachgewiesen werden. Nur 10% konnten als
Schwerarbeiter angesehen werden. Als auslösender Faktor der
Symptomatik wurde nur von 16% aller Patienten ein Trauma angegeben,
während 84% weder ihre Erkrankung mit einem Trauma in Verbindung
bringen noch ihre Beschwerden erklären konnten. Es zeigte sich,
dass 92% aller Patienten belastende Lebensereignisse im Sinne
von Aktualkonflikten erlebt hatten und bei allen Patienten fanden
diese Ereignisse vor dem erstmaligen Beginn oder vor der erneuten
Zunahme der Beschwerden statt. 65% der Patienten hatten Todesfälle
zu verzeichnen. Die weitere psychosoziale Exploration zeigte
eine starke Einseitigkeit im Leben der Patienten. Sie waren
fast ausnahmslos (97%) stark leistungsbetont und legten auf
ihr körperliches Wohlergehen großen Wert. Zwischenmenschliche
Kontakte und die Auseinandersetzung mit religiös-weltanschaulichen
Fragen kamen zu kurz oder wurden verdrängt. Nur 12% gaben an,
sich mit diesen Fragen und Themen zu beschäftigen.
Bandscheibenvorfall als Ausdruck: Die Fähigkeit
zu zeigen, dass man etwas nicht ertragen kann; die Fähigkeit,
Spannungen und Konflikte motorisch und statisch zu verarbeiten
und sich den gegebenen Umständen anzupassen; die Fähigkeit,
lieber zusammenzubrechen als nachzugeben.
Wenn Sie hierzu noch Fragen haben oder einen
Termin in meiner Praxis in Frankfurt am Main
vereinbaren möchten, nehmen Sie gerne Kontakt
auf.
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